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28.05.2020 – Erbacher Männerchor lässt Zoom surren

MGV „Eintracht“ Erbach trifft sich regelmäßig im Videochat zum gemeinsamen Austausch

Tobias Schuhen hat bei sich im Wohnzimmer seine Sängerfreunde stets im Blick. Der zweite Vorsitzende der „Eintracht“ Erbach hat zusammen mit dem Vorstand diese moderne Kommunikation über Videochat angeregt. (Foto: Müller)

Von Christian Müller

ERBACH. Dass sie derzeit nicht gemeinsam im gewohnten Übungsraum singen können, ist besonders für die Chöre der Region eine große Herausforderung. Die Ansteckungsgefahr ist derzeit einfach zu groß. Der MGV „Eintracht“ Erbach geht deshalb mit der Zeit und trifft sich nun regelmäßig zum Videochat. Beim ersten dieser Art kam fast der gesamte Männerchor zusammen.

Einer, der sich besonders freute, seine Sängerfreunde wiederzusehen, war Thomas Becker. Der Erbacher hatte bei der ersten Videoschalte mit dem Männerchor Geburtstag. Spontan stimmten einige Sänger ein Geburtstagslied an, aber Chorleiter Karl-Wilhelm Dünnes winkte ab. „Das klingt einfach zu blechern. Wir bringen Zoom damit zum surren“, so der Westerwälder, der live „aus seiner Bibliothek“ zugeschaltet war. Das imposante Foto, das er bei einem Besuch der Prager Bibliothek geschossen hatte, wurde vom Videochatprogramm allerdings als Illusion in den Bildhintergrund gerechnet.

„Wir halten über Zoom keine Chorproben ab. Dafür ist dieses Tool einfach nicht geschaffen. Zur Probe gehört der direkte Dialog zwischen den Sängern und dem Dirigenten, das Anleiten und das Zuhören“, wie der engagierte Chorleiter darlegt.  Beim ersten Onlinetreffen machen sich auch einige alltäglich erscheinende Hintergrundphänomene bemerkbar, die eine Chorprobe über Zoom zusätzlich erschweren würden: Bei einem Sänger klingelt spontan das Telefon, bei einem anderen flimmert im Hintergrund der Fernseher in der Wohnung mit. „Das erinnert alles an die Zeit der Kurzwellenübertragung“, stellt Manfred Hahne, stellvertretender Chorleiter, amüsiert fest. Statt gemeinsam Online zu singen, haben sich Michael Schüler, Vorsitzender des MGV „Eintracht“ Erbach, und Dünnes eine bessere Alternative einfallen lassen, die allerdings auch die Disziplin der aktiven Sänger einfordert: „Derzeit proben wir mit MP3-Dateien, die jeder Sänger von unserem Chorleiter je nach Stimme jeweils zugeschickt bekommt“, erklärt Schüler. Mit Kopfhörer am PC könne man diese neben dem Lesen der entsprechenden Partitur dann selbstständig üben. Eines dieser Stücke ist beispielsweise das „Abendlied“ von Alwin M. Schronen.

Der Vorsitzende und auch der Vereinsvorstand ist zufrieden mit der Resonanz der Sänger bei der ersten Videokonferenz dieser Art und beschließt, dass man sich nun regelmäßig in diesem Format treffen möchte, um sich über die eigenen gesanglichen Übungen auszutauschen und über die angedachten Hygienekonzepte des Hessischen Sängerbundes zu diskutieren. Besonders die Ansteckungsgefahr über Aerosole – wie kürzlich bei einem Gottesdienst in Frankfurt – wird sehr eingehend vom Männerchor verfolgt. „Kürzlich haben wir auch gemeinsam uns ein Video von einem professionellen, tschechischen Chor angesehen, der mit Maske gesungen hat. Für uns kommt das aber nicht in Frage“, so Schüler auf Anfrage dieser Zeitung. Dennoch schaut man positiv in die Zukunft: „Unsere Gemeinschaft hat dieses verdammte Virus jedenfalls noch nicht kleingekriegt“, so der Vorsitzende abschließend. cvm

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