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LA vom 24.10.2018: „Musikalische Sternstunden bei der „Eintracht““

Erbacher Männerchor lädt zwei erstklassige Ensembles zum Jubiläumskonzert in die Erlenbachhalle ein

-von Christian Müller-

ERBACH. Der Männergesangverein „Eintracht“ Erbach feiert in diesem Jahr 125-jähriges Bestehen und hat zu seinem Jubiläumskonzert in die Erlenbachhalle zwei erstklassige Chöre eingeladen: Das Ensemble Vocapella und den Frauenchor „Singsations Westerwald“ – zwei Gruppen, die mit klaren Stimmen und einer beeindruckten Vorstellung die Zuschauer begeisterten. Auch der Gastgeber wusste mit seinen Liedbeiträgen musikalische Akzente zu setzen.

Michael Schüler, Vorsitzender der „Eintracht“ Erbach, freute sich bei seiner Begrüßung über die zahlreichen Besucher, die zum Konzert in die Erlenbachhalle gekommen waren. Karl-Wilhelm Dünnes, musikalischer Leiter des gastgebenden Männerchores, betonte nach dem ersten Liedbeitrag „Cantate Domino“ von Komponist Hans Leo Hassler in seiner Ansprache, dass das Gründungsjahr der „Eintracht“ mit vielen Ereignissen zusammenfiel: Die Erfindung des Dieselmotor, der heute in der Kritik stehe, sei genauso zu benennen, wie die zahlreichen Uraufführungen
moderner und romantischer Kompositionen. Ein Aspekt, den die „Eintracht“ an diesem Abend auch musikalisch umzusetzen wusste.

Bereits im ersten Akt des Jubiläumskonzertes präsentierten Dünnes Sänger mit „Ubi caritas“ eines von drei Stücken in lateinischer Sprache, das mit seiner würdevollen Aura den Saal ausfüllte. Noch mehr Applaus spendeten die Zuschauer für „I will praise“ von Knut Nystedt, dessen voluminöses Finale allerdings besser in einem sakralen Kirchenbau zur Geltung gekommen wäre. So verlief sich der tolle Klang des Chores leider etwas im Saal, was der guten Stimmung aber keinen Abbruch tat.

Perfektion bis ins Hohe C

Eine gut durchdachte, unkonventionelle Stimmenaufteilung setzte das Ensemble „Vocapella“ aus Limburg im Anschluss um. Die Sänger von Tristan Meister, die ihre gemeinsamen Wurzeln bei den Limburger Domsingknaben haben, stellten sich bei „And death shall have no dominion“ von Vytautus Miskinis entgegen der klassischen Einteilung von hohen zu tiefen Stimmen auf und verteilten sich stattdessen im Bühnenraum – ein Konzept, das voll und ganz aufging und den Zuhörern eine ganz moderne Klangerfahrung ermöglichte. Auf ähnlich hohem Niveau präsentierte das Ensemble „Geteilte Freude“ – ein Stück, das der belgische Komponist Maarten van Ingelgem dem Männerchor zum zehnjährigen Jubiläum beigesteuert hatte und durch Sprach- und Klangelemente an einen Mönchschoral erinnerte. Franz Schuberts Chorwerk „Die Nacht“ setzte mit seiner klanglich vorgetragenen Schönheit einen weiteren Glanzpunkt des Abends.

Genauso begeisternd präsentierten sich die Damen von Dirigentin Jessica Burggraf. „Singsations Westerwald“ bewies eindrucksvoll, warum sie im letzten Jahr landesweit zu den besten Chören bei Festivals und Wettbewerben zählten. Besonders beim Gospelstück „Joyfully Sing“ strahlten aller Gesichter. Die Sangesfreude des Chores übertrug sich auf das Publikum, das den Beitrag vor der Pause mit ausgiebigen Applaus belohnte. Musikalisch brillierten die jungen Frauen auch im zweiten Teil, wo sie allerdings das Programm ein wenig abänderten. Mit „We the circle“ trugen die Damen ein fast schon maßgeschneidertes Stück vor, das inhaltlich präsent war und auch emanzipatorisch ein Statement setzte. Perfektion bis ins Hohe C setzte der Frauenchor mit dem Gospel „My Soul’s Been Anchored“, das ein gutes Wechselspiel zwischen Sopran- und Altstimmen bewies und zu einem weiteren musikalischen Höhepunkt des Abends gezählt werden kann.

Wie Chormusik begeistert

Das Programm des Jubiläumskonzert der „Eintracht“ Erbach zeigte, wie Chormusik begeistern kann. Pop trifft auf Volkslied, Romantik auf Moderne, klassische Kompositionen auf abwechslungsreiche Gospel. Für jeden Geschmack war etwas dabei.

Ein lustiges Schmankerl setzte „Vocapella“, als sie am Ende des Konzerts das mit schwarzen Humor gespickte Stück „Mein Weib hat mich verlassen“ vom österreichischen Liedermacher Georg Kreisler vortrugen – ein Komponist, dessen „Telefonbuchpolka“ ebenfalls für Lachkrämpfe sorgt.

Die Rund 50 Sänger von „Vocapella“ und „Eintracht“ setzten gemeinsam mit „Komm, Trost der Welt“ einen gelungenen Schlussakzent unter einem gelungenen Konzertabend, der mit vielen musikalischen Sternstunden aufwarten konnte.

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