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NNP vom 09.07.2015: “Grandiose Musik in Erbach”

Von Gertrud Brendgen

Es war heiß in der Erbacher St. Mauritius Kirche, sehr heiß. Allerorten wurde gefächelt, was die Programmblätter hergaben. Doch was dann geboten wurde, entschädigte einfach für alles. Die „University of Santo Thomas-Singers“ (UST-Singers) von den Philippinen waren zu Gast beim Männergesangverein „Eintracht“ Erbach.

Bad Camberg-Erbach. Diesen Chor zu erleben, ist einfach nur grandios. Schon die Aufstellung der jungen, mit aufwendigen Gewändern gekleideten Sänger überrascht erst einmal: Sie sind nicht nach Stimmen „sortiert“, sondern jeder Mann hat eine Frau neben sich stehen, und auch die einzelnen Lagen sind bunt gemischt. Etwas, was selbst ambitionierten Laien-Sängern schwer fällt. Aber die UST-Singers sind ja auch ziemlich weit weg vom „Laiengesang“. Jeder für sich hat Solo-Qualitäten, die sich aber jederzeit bedingungslos in den Chorklang einfügen. Und der ist einfach allumfassend. Die „Hallelujas“ beim „Regina Coeli“ von Miskinis kann man förmlich greifen, der Rhythmus des „Gloria Patri“ (Budi Johannes Susanto) lässt einen nicht mehr los, und in das so sanft beginnende und immer schmetternder werdende „Entreat me not to leave you“ (Dan Forest) lässt man sich geradezu hineinfallen. Dynamik, Klang und Timing – den Sängern unter Dirigent Prof. Fidel Calalang gelingt alles, ein sängerischer Höhepunkt folgte dem anderen. Mit „Stabat Mater“ von Vytautas Barkauskas zogen die Sänger nochmal alle Register und setzen einen dramatischen Schlusspunkt unter den ersten Teil ihres Auftritts. Den zweiten Teil widmete der Chor den weltlichen Liedern. Auch hier eroberten sie mit Können und sehr viel Charme die Herzen der Zuhörer, ganz besonders mit dem Song „Go the Distance“ von Alan Menken. Nach dem ergreifenden Solo-Beitrag à la „Disney“ war es für die Zuhörer sicher nicht so ganz leicht, sich auf den nächsten Titel einzustellen, gehört doch das Stück La Aporrumbeosis von Guido Lopez Gavilan eher in die Kategorie „experimentelle Musik“. Schon faszinierend, was diese Sänger auch in Sachen „Stimmen-Akrobatik“ drauf haben. Nach einer kurzen Pause – dem Publikum diente sie zur Erfrischung, den Sängern zum Umziehen, gab es noch Folklore, Musical und Pop. Mit sparsamen, aber umso effektvolleren Choreographien setzte sich der Chor auch hier bestens in Szene und bereitete dem begeisterten Publikum viel Freude.

Vier Tage zu Gast

Eine tolle Veranstaltung, die allerdings ohne den MGV „Eintracht“ so nicht möglich gewesen wäre. Vier Tage lang beherbergten Chormitglieder die Gäste von den Philippinen, die sich derzeit auf einer Deutschland-Tournee befinden. „Sich mit diesem Chor zu messen, ist für uns eigentlich unmöglich“, stellte Michael Schüler, Vorsitzender der „Eintracht“, fest. Trotzdem „traute“ sich der Gastgeber, das Konzert mit seinen Beiträgen zu eröffnen, und das mit Fug und Recht. Diesem Männerchor mit seinem satten ausgewogenen Chorklang und der fein geführten Dynamik zuzuhören, macht nämlich auch richtig Spaß! Dirigent Karl-Wilhelm Dünnes versteht es prächtig, jedem Lied einen eigenen Charakter zu verleihen. Sei es das bewegte und sanft verklingende „Preghiera“ von Rossini, das rufende „Wachet auf“ von Martin Folz oder der wundervoll beseelte „Abendfrieden“ von Franz Schubert. Alles, was der Chor bietet, ist perfekt gestaltet – bis hin zur einheitlichen Verbeugung von dem kräftig applaudierenden Publikum.

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