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NNP vom 4.5.2012: “Geistliches Liedgut vom Feinsten”

Gruppensingen der Sängergruppe I begeistert die Zuhörer in der Niederselterser Pfarrkirche

Sein 150-jähriges Jubiläum feiert in diesem Jahr der MGV” Eintracht” 1862 Niederselters, der aus diesem Anlass das gut besetzte Gruppensingen der Sängergruppe I “Goldener Grund” ausrichtete.

Von Willibald Schenk

Der MGV “Eintracht” Niederselters eröffnete das Gruppensingen als gastgebender Chor. Foto: Schenk

Selters-Niederselters. Dafür wurde die katholische Pfarrkirche Niederselters ausgewählt, deren Innenraum ideale akkustische Voraussetzungen für eine solche Veranstaltung bietet. Natürlich verfolgte die verantwortliche Sängergruppe unter Führung von Werner Held (Erbach) im Zusammenwirken mit dem gastgebenden Verein das gleiche Ziel, dem Konzert einen würdigen Rahmen zu verleihen.

Daher hatte “Eintracht”-Vorsitzender Gerhard Stangel allen Grund, auch der Kirchengemeinde für die Bereitstellung des Gotteshauses zu danken. Es ist zwar in der heutigen Zeit keine Selbstverständlichkeit, profane Gesänge in einem sakralen Raum auszusparen. Aber in einem geweihten Haus geziemt es sich nicht, durch eine bedenkliche Literaturauswahl die Würde des Ortes zu verletzen, wie es bei ähnlichen Singen im Sängerkreis Limburg leider schon vorkam. Umso dankbarer muss man den Veranstaltern sein, dass ihnen die Heiligkeit des Raumes bewusst war und sie nur geistliches Liedgut, sowohl im konventionellen Sinne als auch im geistlichen Bereich, in das Programm aufnahmen.

Kleine Chöre

Die größte Zahl der Sängergruppe besteht aus kleinen Chören, die sich in schöner stimmlicher Ausgeglichenheit auf dieses Singen vorbereitet hatten. Der MGV “Eintracht” Niederselters eröffnete unter der Leitung von Tobias Arthen das Programm mit “Nobody knows” in einem Arrangement von Winfried Siegler-Legel und dem beachtenswerten, im spätromantischen Stil komponierte “Ave Maria” von Joseph Gabriel Rheinberger. Schön ausgearbeitet vertragen sich so zwei gegensätzliche Stilelemente in besonderem Reiz.

Der Gesangverein “Sängerkranz” Haintchen unter seinem neuen Chorleiter Klaus Weiss kann das von Anneke Jung angestrebte Leistungsvermögen mit einem beweglich gemischten Chor fortsetzen. Von Charles Gounod erklangen zwei Teile aus seiner kurzen Messe Nr. 7 (Kyrie, Gloria), die ursprünglich für einen Männerchor gedacht ist. Die Ordinariumsteile sind von Gefühlswärme gezeichnet und verlieren ihre Wirkung nicht, wenn sie auch durch ein Keyboard begleitet werden. Dem folgenden “Rock my soul” in traditoneller Aussage begegneten die Zuhörer mit rhythmischen Klatscheffekten, animiert durch den Chorleiter.

“Eintracht” Oberbrechen, geleitet von Thomas Roth, besitzt mit seinen 19 erfahrenen Männern ein erstaunlich abgerundetes Stimmvolumen. Die Literatur war genau auf die Besetzung abgestimmt, die das gefühlsbetonte “Stern, auf den ich schaue” von Otto Fischer und die Marienmotette “Regina Coeli” von Pérez Moya in einer Bearbeitung von Erich Sanftenberg dem Ostergedanken entsprechend jubilierend sang.

Der MGV “Eintracht” Erbach mit seinem Dirigenten Karl Wilhelm Dünnes gehört mit einer stattlichen Besetzung von über 40 Sänger zweifellos zu den leistungsfähigen Männerchören des Goldenen Grundes. Seine Interpretationen zeugten von einer durchdachten und gut geführten Chorschulung, die sich bei Wettbewerben immer wieder zeigt. “Ubi Caritas” mit dem gregorianischen Motiv von Ola Gjeilo in modernen kompositorischen Mitteln sowie der Spiritual “I will praise thee, o Lord” des norwegischen Knut Nystedt waren hier beispielgebende Beweise der leistungsstarken Männer. Alle Achtung vor dem kleinen Frauenchor “Orphea” Eisenbach mit 14 Stimmen, der bewies, dass Masse nicht gleich Klasse bedeutet. Constanze Buhlmann arbeitet mit den zuverlässigen Damen äußerst geschickt. Dabei war die Intonation makellos rein. Nach dem “Singet dem Herrn” im Satz von Bernhard Klein folgte das Engelterzett aus dem “Elias” von Mendelssohn Bartholdy “Hebe deine Augen auf”, zwar etwas geeilt, aber doch von innerer Spannung getragen.

Den Gesangverein “Frohsinn” Erbach leitet seit einigen Jahren Dr. Georg Hilfrich, dessen chorisch-pädagogisches Geschick immer wieder Aufmerksamkeit erregt. Seine etwa 30 Männer folgen genau seinen Intentionen. Aus der altklassischen Polyphonie kam die Motette “Veni Jesu” von Luigi Cherubini zum Vortrag, während aus der Feder des Dirigenten das klangvolle “Hosanna” starke Wirkung erzielte.

Dem gemischten Chor “Eintracht” Würges steht die bewährte Chorleiterin Solveig Wagner vor. Die fünf Männerstimmen müssen schon sicher sein, dem harmonischen Gefüge jederzeit Rechnung zu tragen. Das taten sie auch in der Verschmelzung mit den Frauenstimmen. “Vater unser” von Christian Heinrich und das wunderschöne “Ave Maria” von Jakob Arcadelt kamen ausdrucksstark in den Kirchenraum. Praxisbezogen beschäftigt sich Dr. Georg Hilfrich zweifellos mit dem MGV “Liederkranz” Eisenbach, der mit fein dynamisch abgestuften Motetten von Lorenz Maierhofer aufwartete. Mit dem Komponisten aus Österreich arbeitet Hilfrich schon längere Zeit als Repetitor zusammen. Maierhofer schreibt äußerst praxisbezogen, was auch in seinen beiden Kompositionen “Pater noster” und “Mater Dei” zur Geltung kam.

Stattliche Besetzung

Der Gesangverein Bad Camberg ist ein stattlich besetzter gemischter Chor, der mit seinen erfahrenen Sängerinnen und Sängern unter der Leitung von Thomas Leber mit anspruchvoller Literatur bestens vertraut ist. Einmal ein “Agnus Dei” im modernen zeitgenössischen Stil aus einer Messe von Zdenek Lukus, zum anderen das “Panis Angelicus” von Cesar Franck in einer Einrichtung für gemischten Chor. Wenn auch das allgemein bekannte Solo für Sopran oder Tenor hier ausgespart ist, so behält das Werk doch seine gewohnte Substanz. “Nun wollen wir singen das Abendlied” im Satz von Kurt Bikkembergs intonierte der Frauensingkreis Hasselbach unter der Leitung von Carsten Trost klangschön, der damit auch den Abend ankündigte. Das stark auf die Eucharistie bezogene “O salutaris hostia” von Franz Pfeiffer ließen die 23 Frauen mit Innigkeit erklingen, während Dimitri Bortnianskys bekanntes Lied “Ich bete an die Macht der Liebe” im Satz des Dirigenten den Block beendete. Dann noch einmal zwei sehr klangvolle Beiträge des MGV und Frauenchor “Liederkranz” Oberselters. Und wieder war es Lorenz Maierhofer, der die liturgischen Texte im Sinne der ausdrucksstarken Musica sacra vertonte und die Dr. Georg Hilfrich besonders mit dem “Danket dem Herrn” sehr angemessen in den Kirchenraum stellte. Den Abschluss besorgte der MGV “Liederkranz” Hasselbach, ein qualitätsgezeichneter Männerchor, der von Matthias Schmidt musikalisch geführt wird. In Vertretung des Chorleiters hatte Klaus Maurer als Vize das Dirigat übernommen. “Tebe pojem” aus der russisch-orthodoxen Liturgie von Bortniansky und “Segne und behüte” von Carl Thiel bildeten so einen schönen und würdigen Abschluss des Gruppensingens.

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