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NNP vom 19.12.2015: “Bis hin zur heiligen Nacht”

Bad Camberg-Erbach. Es war ein eher sanfter „Weckruf“, der von der Empore der St.-Mauritius-Kirche in Erbach erklang. Bei weitem nicht so schallend, wie man Johann Sebastians Bachs „Wachet auf“ sonst so hört. Heinrich Thuy (Orgel) und Lukas Reiß (Trompete) verliehen dem Werk das Flirren einer Morgendämmerung und bildeten so den perfekten Auftakt für ein ganz besonderes Adventskonzert.

Der MGV Eintracht Erbach hatte sein Konzert in die Weihnachtsgeschichte eingebettet, die, neben anderen besinnlichen Texten, zwischen den Musikbeiträgen von Bärbel Stein einfühlsam vorgelesen wurde. „In der Dunkelheit der Morgendämmerung haben wir uns aufgemacht, um die heilige Nacht der Veränderung mit Jubel zu erreichen“ – so lautete die Botschaft gegen Ende des Konzerts, der Weg bis dahin wurde von wundervollen musikalischen Beiträgen vorbereitet und „geebnet“.

„Lichter, die die Welt erhellen“ zauberte nach dem „Weckruf“ das Hornquartett Aurum mit einem Auszug aus Georg Friedrichs Händels „Feuerwerksmusik“. Ein prachtvoller Klang erfüllte die Kirche, signalhaft-festlich und zugleich herzerwärmend. Auch die anderen Beiträge des Quartetts wie „Hebe Deine Augen auf“ von Mendelssohn-Bartholdy oder die traditionelle Weihnachtshymne „Hark the Herald Angels sing“ waren ein toller Hörgenuss. Dass die jungen Musiker nicht nur versierte Solisten, sondern auch gute Begleiter sind, zeigten die gemeinsamen Auftritte mit dem Männerchor Erbach. Gemeinsam ließ man ein hoffnungsvolles „O Heiland, reiß die Himmel auf“ und ein sehr gefühlvolles „Maria durch ein Dornwald ging“ erklingen, beides Sätze von Werner Goedecke. Danach „eroberte“ Bariton Hans-Albert Demer die Empore und mit Schuberts „Ave Maria“ und seiner opulenten Stimme die Herzen der Zuhörer.

Die musikalische Gesamtleitung des Konzertes lag bei Karl-Wilhelm Dünnes. Der Dirigent hatte die einzelnen Stücke mit viel Bedacht ausgewählt, um dem „roten Faden“, nämlich dem Weg durch die Dunkelheit bis hin zur heiligen Nacht, gerecht zu werden. Faszinierend, wie vielseitig in Ausdruck und Stimmung Weihnachtslieder sein können, sofern die Unterschiede – wie bei diesem Konzert – so sorgsam herausgearbeitet werden. Sorgenvoll und fast bedrohlich wirkte „Es kommt ein Schiff geladen“, Hoffnung keimt auf beim „Verbum Caro“ von Rihards Dubra, bei dem die Sänger die Weihnachtsbotschaft in einen feinsinnigen Klangteppich webten. Mit einer zart-besinnlichen Orgel-Improvisation leitete Thuy dann über zu „Es ist ein Ros entsprungen“. Gleich zwei Versionen hatte Dünnes mit seinem Chor einstudiert: Im Bebop-Stil erklang das A-cappella-Arrangement von Oliver Gies (geb. 1973), und nach einem Zwischentext hörte man die eher traditionelle Komposition von Werner Goedecke für Männerchor und Orgel. Ein spannender Kontrast, der einmal mehr die Vielseitigkeit des Chores beweist.

Mittlerweile in der Hälfte des Weges angekommen, wurden die Beiträge zusehends freudvoller und zuversichtlicher. Strahlend schön interpretierten Orgel und Trompete „Jesus bleibet meine Freunde“, „Freu dich Erd und Sternenzelt“ ließ der Chor verlauten und die Aufforderung „Nun singet und seid froh“ kam gemeinsam von Chor und dem Blechbläserensemble, bestehend aus Aurum und Trompeter Lukas Reis. Auch Hans-Albert Demer wurde seiner Solistenrolle sowohl gemeinsam mit dem Chor bei dem Lied „Die Könige“ als auch allein gerecht: Prachtvoller hätte Beethovens „Die Ehre Gottes an die Natur“ kaum sein können. Wer nach all dem immer noch nicht so recht in Weihnachtsstimmung war, wurde es mit dem letzten Beitrag: Die Sehnsucht nach Frieden und Versöhnung gipfelte in Beethovens „Hymne an die Nacht“ – ergreifend schön und glaubhaft vorgetragen von den Sängern der Eintracht.

Ein klein wenig noch hielt man inne, ließ sich von dem verklingendem Klangteppich tragen – um dann lange und herzlich zu applaudieren. (gbr)

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