Aktuelles

NNP vom 2.10.2012: „Was für eine Bühnenpräsenz!“

„Eintracht“ meets „Vocalive“: Das Zusammenwirken war sehr gelungen und begeisterte das Publikum in Erbach

Der Funke sprang gleich über: „Vocalive“ sang sich in die Herzen des Publikums. Die „Eintracht“ Erbach bescherte ihren Gästen ein abwechslungsreiches, sehr stimmiges Konzert.

Von Julia Schlösser

 Mit

Mit „Vocalive“ kommt Bewegung auf die Bühne. Foto: Schlösser

Bad Camberg-Erbach. „Ain‘t nobody loves me better“, die Funk‘n Soul-Hymne aus den 80ern, gesungen von 40 jungen Sängerinnen und Sängern, brachte Disco-Stimmung in die Erlenbachhalle. Zu seinem Jahreskonzert hatte der MGV Eintracht Erbach den Rock- und Popchor „Vocalive“ aus Griesheim eingeladen, der mit seiner phantastischen Bühnenpräsenz das Publikum begeisterte. Zunächst gaben jedoch die Gastgeber eine Kostprobe ihres Könnens. „Auch wir haben uns heute bei der Auswahl unserer Stück bewusst dafür entschieden, uns für fremdsprachige Texte und moderne Arrangements zu öffnen“, betonte Eintracht-Vorsitzender Michael Schüler zu Beginn des Konzertes.

So präsentierte der Männerchor unter der Leitung von Karl-Wilhelm Dünnes bekannte Spirituals wie „Where you there?“ und „Hear my prayer“, sowie das amerikanische Volkslied „Shenandoa“ in modernen Fassungen und beeindruckte mit seinem kraftvollen und harmonischen Klang. Nach diesen eher getragenen Stücken setzte das flotte „Ride the chariot“, bei dem Jens Basler als Solist überzeugte, einen schwungvollen Abschluss unter den ersten Teil des Konzertes.

Ohrenschmaus

Dann wurde es rockig. „Vocalive“ hatte die Herzen und die Ohren des Publikum von der ersten Minute an auf seiner Seite. Der außergewöhnliche Chor bot ein Konzerterlebnis der besonderen Art. Musikalisch auf höchstem Niveau präsentierten die Sängerinnen und Sänger ihr Repertoire. Dass sie bereits viele Preise bei Chorfestivals und -wettbewerben gewannen, überraschte nicht. Ob „Brown eyes“ von Beyoncé oder das grandiose „Blue“ der Singer-Songwriterin Joni Mitchell, die kompositorisch anspruchsvollen Stücke waren ein Ohrenschmaus. Auch das Medley aus James-Bond-Titeln, das funkige „We bee doinit“ von Quincy Jones und der Song „Boy on the Island“ reihten sich hier nahtlos ein, nicht zuletzt durch die hervorragenden Soloparts.

Beim Chorklang überwogen die Frauenstimmen, die etwa zwei Drittel der Chormitglieder stellten, doch die Männerstimmen woben einen harmonischen Klangteppich, auf dem die Stimmen der Sängerinnen erst richtig strahlen konnten. Apropos: Selten kann man Chöre mit einer solchen Ausstrahlung erleben. Locker, ohne jeglichen Eindruck von Angestrengtheit und immer ein Lächeln auf den Lippen – den Sängerinnen und Sängern war die Freude am Singen buchstäblich ins Gesicht geschrieben.

Glamour pur

Das ist sicher vor allem der Verdienst von Chorleiterin und -gründerin Stephanie Miceli. Ihr Lächeln, das sie ihren Chormitgliedern während des gesamten Dirigats schenkte, kam 40-fach zurück. Obwohl bei einer Konzertkritik der Fokus ja weniger auf Äußerlichkeiten, sondern mehr auf das musikalische Können gesetzt werden sollte – die wunderbaren schwarzen Abendroben der Sängerinnen dürfen nicht unerwähnt bleiben. Jede hatte sich nach persönlichem Stil und Geschmack ein schwarzes Abendkleid und ein strassglitzerndes Accessoire ausgesucht: Glamour pur für eine ganz besondere Bühnenpräsenz – es sah einfach toll aus.

Zurück zur Musik: Bei aller Begeisterung, die die Pop-, Rock- und Funktitel beim Publikum auslösten, der unvergleichliche Klang der großartigen Stimmen kam vor allem bei den ruhigen Stücken richtig zur Geltung. Das bekannte Volkslied „Die Gedanken sind frei“ in einem modernen Arrangement von Maybebop-Songschreiber Oliver Gies, das herbstlich-verträumte Stück „Chanson d‘automne“, „Vanishing Act“, ein Stück des bekannten finnischen A-cappella-Ensembles Rajaton, oder die wunderschöne Version von Coldplays „Viva la vida“ erzeugten mehr als einmal Gänsehaut bei den Zuhörern. Das jazzig-swingende „Straighten up and fly high“ setzte einen glänzenden Schlusspunkt unter einen Auftritt, den das Erbacher Publikum mit begeistertem Applaus belohnte. Leonhard Cohens „Halleluja“ war eine würdige Zugabe, bei dem der Chor noch einmal alle seine Facetten der Dynamik und Intonation zeigen konnte.

Grandioses Finale

Das letzte Stück des Abends war Programm: die Sänger des MGV Eintracht gesellten sich zu „Vocalive“ auf die Bühne, und gemeinsam sangen die über 80 Sängerinnen und Sänger das wunderbar ruhig-harmonische „Der Mond ist aufgegangen“, bevor der Vollmond am klaren Nachthimmel den Heimweg der Konzertgäste begleitete.

Top

Schreibe einen Kommentar

Top