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NNP vom 25.6.2013: “Das war ein Volltreffer”

Zum 120. Geburtstag lud die „Eintracht“ Erbach alle Bad Camberger Chöre ein

Von Gertrud Brendgen

Der MGV „Eintracht“ 1893 Erbach hatte zum 120. Jubiläum alle Chöre und Instrumentalgruppen aus Bad Camberg und Stadtteilen eingeladen, und fast alle waren gekommen.

Bad Camberg-Erbach. Am Sonntagmorgen war Erbach fest in Sängerhand. Von überall strebten einheitlich gewandete Gruppen Richtung Festzelt. Sang und Klang lag in der Luft, und das nicht nur sprichwörtlich: Schon vor dem Zelt konnte man einem der Chöre beim Einsingen unter freiem Himmel zuhören. „So bietet sich allen Sängern unserer Stadt endlich einmal die Gelegenheit, sich gegenseitig anhören zu können“ freute sich Festpräsident Hubert Diehl, der den Vormittag moderierte. Unter den zahlreichen Gästen begrüßte er allen voran Bürgermeister Wolfgang Erk, der sich als Schirmherr des Jubiläums dieses bislang einmalige Konzerterlebnis nicht entgehen ließ.

Eine Bläsergruppe und 13 Chöre zeigten ihr Können, und jede Gruppe hatte ihre – im doppelten Sinne – persönliche „Noten“. Das lag zum einen an den unterschiedlichen Besetzungen, Sängerzahlen und Altersstufen und zum anderen natürlich an den jeweiligen Dirigenten. Als einzige Instrumentalgruppe eröffneten die Jagdhornbläser Goldener Grund unter der Leitung von Hermann Josef Löw mit einem feierlich-zünftigen Jagdsignal den musikalischen Reigen, dann hieß es: Bühne frei für die Gesangs-Ensembles.

Mit viel Temperament stimmte der MGV und Frauenchor „Liederkranz“ Oberselters, Leitung Dr. Georg Hilfrich, sein „Cantemus – Viva la Musica“ an. Der klasse Sound des Chores bot auch bei dem afrikanischen „Siyahamba“ und erst recht bei „Have a nice day“ echten Hörgenuss. Dann kündigte Diehl den Chor aus der „Theatervorstadt“ an: Der GV „Liederkranz“ 1885 Schwickershausen, ein gemischter Chor unter der Leitung von Frank Sittel, präsentierte einen gepflegten, schön ausgewogenen Chorklang. „Singt dem Herrn ein neues Lied“ und „Nun will der Lenz uns grüßen“ kamen angenehm „leichtfüßig“ daher, richtig bewegend gelang „Von guten Mächten wunderbar geborgen“.

Klasse Sängernachwuchs

Die Sorge nach dem immer wider diskutierten Sängernachwuchs erübrigte sich spätestens mit dem Auftritt des Schulchors der Taunusschule Bad Camberg, Klassen sechs bis zehn. Bärbel Stein und Michaela Schmidt-Illion spornten die über 50 Jungen und Mädchen zu Höchstleistungen an: „Was kann der Sigismund dafür, dass er so schön ist“, „Am Sonntag will mein Süßer mit mir segeln gehen“ und „Was macht der Meyer am Himalaya“ erklang es da herzerfrischend und anrührend schön.

Der katholische Kirchenchor „St. Mauritius“ Erbach, Leitung Jan Schrödter, brachte „Sah ein Knab ein Röslein stehn“, „I will give thanks“ und ein wunderschönes, ruhig fließendes „Ave verum“ von dem Komponisten Jenkins zu Gehör.

Über ein großartiges Chorvolumen verfügt der Gesangverein 1846 Bad Camberg unter der Leitung von Thomas Leber. Der Chor beeindruckte mit „Cantemus“, „Wenn ich ein Vöglein wäre“ und „Weit, weit weg“.

Ein recht neues Ensemble stellte sich mit dem Frauenchor Crescendo des GV „Liederkranz“ aus Schwickershausen vor. Unter der Leitung von Ulrich Diehl brachten die Sängerinnen mit viel Swing und Sangesfreude „The things we do for love“ und „Natural Woman“ zu Gehör. Echtes „Afrika-Feeling“ wurde mit die Zulu-Traditional „Mamaliye“, begleitet von zwei Bongos, spürbar.

Dann war wieder die Jugend an der Reihe: Der Knabenchor des MGV Eintracht nennt sich „Crazy Guys“. Der jungen bis sehr jungen Männer unter der Leitung von Bärbel Stein begeisterten Jung und Alt mit ihrem frischen, mitreißenden Sound. Mit ihren „Mädchen lach doch mal“, „Achtung“, „Ich will tanzen“ und „Jetzt ist Sommer“ ernteten sie einen super Applaus.

Traditioneller wurde es dann wieder mit dem GV „Eintracht“ 1852 Würges, Leitung Solveig Wagner. Nicht nur, dass die Damen schöne Trachten trugen, auch griff man hier wieder zum Volkslied. „An hellen Tagen“ und „Dindirin, Dindirin“ erklangen. Mit „Only You“ verließen die Sänger den traditionellen Weg, aber auch hier kam der feine, ausgewogene Chorklang und die schön gestaltete Dynamik zum Tragen.

Dann war die Reihe am Gastgeber, dem MGV „Eintracht“ 1893 Erbach unter der Leitung von Karl-Wilhelm Dünnes. Vorgetragen wurden „Spanische Nächte“, „Ev’ry time I feel the spirit“ und „By-bye, es war schön“. Ja, der Gesang der Herren war wunderschön, sehr ausgewogen und trotz der Größe des Chors angenehm geschmeidig. Aber Zeit „Adieu“ zu sagen war nach dem, dank Heinrich Thuy am Klavier, groovig-swingenden Hörgenuss noch nicht. Danach eroberte nochmal die gesamte Jugend die Bühne: Der Schulchor und die „Crazy Guys“ sangen gemeinsam „Ein Freund, ein guter Freund“ und sie haben an diesem Vormittag sicher ganz viele Freunde gewonnen. Sehr schön war auch die „Isabella von Castilien“ mit unterhaltsamer Schauspieleinlage. Und nochmal ganz viel Beifall für die Jugend!

„Frohsinn“ gratuliert

Einen beeindruckenden Auftritt legte danach der GV „Frohsinn“ 1848 Erbach mit Dirigent Dr. Georg Hilfrich hin. Zu Gehör kamen der Chor der Dorfburschen aus der Oper „Die verkaufte Braut“ und der Chor der Schmiedegesellen aus der Oper „Der Waffenschmied“. Besonders begeistert war das Publikum vom schwungvollen „Deutschmeister Regimentsmarsch.“ Der Kirchenchor St. Peter und Paul Bad Camberg unter der Leitung Heinrich Thuy hatte sichtlich Spaß am „weltlichen“ Liedgut der Beatles: Schön fetzig erklang „When I’m Sixty-Four“, während „Michelle“ und „Yesterday“ zum Träumen einluden.

Der Abschluss dieses Konzerts war den „Die Coolen“ Bad Camberg, Leitung Ulrich Diehl, vorbehalten. Mit einem klasse Sound und in bester Barbershop-Manier begeisterten sie mit „Penny Lane“, „Under Pressure“ und „Somebody to love“.

Mit einem herzlichen Dank an alle, die zugehört, mitgemacht und mitgeholfen hatten, verabschiedete Diehl sich von den Gästen und zog das Resumee des Konzerts: „Die Idee, alle Bad Camberger Chöre einzuladen, war auf jeden Fall ein Volltreffer!“

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