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NNP vom 26.6.2013: “Ein grandioses Konzert”

Überragende Chöre feiern mit der “Eintracht” Erbach den 120. Geburtstag

Es war ein besonderes Geburtstagsgeschenk für die Sänger des MGV Eintracht Erbach; bei einer Chornacht zum 120-jährigen Bestehen ließen acht befreundete Chöre bei einem überragenden Konzert die stetige Entwicklung der Chormusik in ihrer ganzen Vielfalt erkennen.

Von Dr. Rüdiger Fluck

Bad Camberg-Erbach. Der MGV Eintracht Erbach und Mitglieder der Frankfurter Sinfoniker eröffneten die Programmfolge mit einigen Sätzen aus der “Schubertiade” für Männerchor und Bläsersextett (Franz Schubert/Theo Fischer); dabei zeigte der Männerchor unter seinem Chorleiter Karl-Wilhelm Dünnes eine Fähigkeit, die nur wenigen Chören eigen sind – musikalisches und textliches Verständnis in ausgewogener Form in Einklang zu bringen.

Mit “La Chorella”, einem überregionalen Frauenchor des schwäbischen Chorverbandes (Leitung Wiltrud Reusch-Weinmann), stellte sich ein Chor vor, der bei den Vertonungen von Wilhelm Busch-Texten und Liedern vom Mond zeigen konnte, dass bei allem Können und den hohen Ansprüchen Gefühle und die Freude am Singen niemals zu kurz kommen. Zusammen mit dem MGV Eintracht Erbach bildeten die Sängerinnen einen großen Klangkörper beim “Abendlied” (Joseph Rheinberger), mit einer Interpretation voller Ernst und Durchsichtigkeit.

Der Gemischte Chor “Salto Vocale” Elz hat durch Jürgen Faßbender seine unverkennbare Prägung erhalten und ist dem Traditionellen wie dem Modernen verpflichtet; doch besonders bei den Sätzen von Oliver Gies ließ der Chor aufhorchen; rhthmische Veränderungen und Dissonanzen mit überraschenden Auflösungen waren die Hauptmerkmale dieser Vorträge.

Der Mädchenchor “Singsations” unter der Leitung von Jessica Burggraf besteht erst seit dem vergangenen Jahr, hat aber im Bereich Pop/Jazz/Gospel erste Erfolge errungen. Die jungen Stimmen stehen auch für neue Ideen; “Music down in my Soul”, “And so it goes” oder “A dream is a wish”, diese Tonsätze, erfrischend dargeboten, gefielen dem Publikum, das von den jungen Sängerinnen die erste Zugabe des Abends forderte.

Der Sängerbund Dehrn, ein stimmgewaltiger wie stimmgewandter Klangkörper, zeigte sich bei seinen Vorträgen dynamisch und vielseitig und bei “Im Abendrot” (Franz Schubert) und der “Liebesklage” (Mathieu Neumann) mit klarer Artikulation und präziser Intonation. Bei “Weit, weit weg” von Hubert von Goisern konnte der musikalische Leiter Michael Rinscheid mit differenzierter Stimmführung zeigen, wie dieser Chor auch mit seinen viel beachteten Konzerten, seinen kulturellen Stellenwert immer wieder bestätigt.

Ein weiteres Aushängeschild in der Region sind die Sänger der “Harmonie Lindenholzhausen”, die mit Spitzenplatzierungen bei vielen Chorwettbewerben ihren hohen Leistungsstand immer wieder dokumentieren können. Sie zeigten besonders, dass Harmonie und Formschönheit sowie musikalische Experimentierfreude sich als Merkmal des heutigen Chorgesangs nicht entgegenstehen. Was sollte man bei ihrem Auftritt mehr bewundern – die ruhigen und geheimnisvollen “Abendstimmen” von Mathieu Neumann oder die besonderen Rhythmen und die Ausdruckskraft bei “Dry bones” (Livingston Gerhart). Ohne Disziplin und Freude am Singen und der intensiven Zusammenarbeit zwischen Martin Winkler und den Sängern kommen solche Auftritte nicht zustande.

Die Frauenchorgemeinschaft Sindlingen/Lorsbach steht unter der Leitung von Brigitte Schlaud, die den Chor mit viel Engagement und Umsicht leitet. Das Repertoire umfasst klassische Chöre und geistliche Werke. Dynamisch und mit präziser Intonation erklang das “Regina coeli” (Pietro Mascagni) und “Der Herr segne Euch aus Zion” von Wolfgang Lüderitz. Aber auch beschwingte und heitere Sätze wie “Tritsch-Tratsch Polka” (Johann Strauß), nach einer Bearbeitung von Hans Schlaud, gehören dazu. Der Landesjugendchor Hessen besteht seit 2008 und wird von Axel Pfeifer und Jürgen Faßbender geleitet. Er gehört zu den leistungsorientierten Chören und steht für anspruchsvolle aber auch moderne Chormusik. Mit Liedern über die Liebe, die sich auch neuer Formen des Ausdrucks bedienen, konnten die Sängerinnen und Sänger ihre beachtlichen gestalterischen Fähigkeiten unter Beweis stellen.

Fein: “Belcanto”

Noch ein Höhepunkt am Ende des Konzerts war der Auftritt des Kammerchores “Belcanto” unter der Leitung von Michael Rinscheid; der Gemischte Chor zeigte viel klangliches Feinempfinden bei seinen Vorträgen und besonders bei der “Waldandacht” (Franz Abt) über den geschlossenen Chorklang hinaus eine weite Modulationsfähigkeit. Eine beeindruckende Chornacht in Erbach; einen Dank an den Festpräsidenten Hubert Diehl, der es verstand, mit seiner einfühlsamen Moderation bis zum letzten Lied des sechsstündigen Programms, bei den Zuhörern die Spannung zu erhalten.

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