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NNP vom 27.3.2013: “Musikalische Glückwünsche zum 120. Geburtstag der Eintracht”

Von Helmut Zimmermann

Bad Camberg-Erbach. Wenn ein Verein 120 Jahre alt wird, dann gibt es viel zu erzählen. Wenn es dazu noch ein Gesangverein ist, der dieses stolze Jubiläum feiern kann, drückt sich vieles natürlich musikalisch aus. Die “Eintracht” Erbach feierte in der Erlenbachhalle mit einem äußerst umfangreichen Programm, das den teilnehmenden Gästen, die in der überwiegenden Mehrzahl Mitglieder von insgesamt acht mitwirkenden Chören und anderen Musikensembles waren, und die den Großen Saal fast ganz alleine füllten, sehr viel Geduld und Sitzfleisch abverlangte. Nach zwei Stunden war nämlich erst die Hälfte des Programms erreicht, das Ende kam noch einmal fast genau zwei Stunden später, alles ohne jede Pause.

Manchmal ist weniger mehr: Das hätte dem Ereignis selbst und der im Verlauf des Abends nachlassenden Aufmerksamkeit des Publikums für die rundweg guten bis sehr guten chorischen und instrumentalen Darbietungen mehr als gut getan. Die begannen nach der Begrüßung des 1. Vorsitzenden Michael Schüler, der auch den Abend moderierte, mit einer gelungenen Darbietung des Jubiläumschores “Eintracht” Erbach unter Leitung seines Dirigenten Karl-Wilhelm Dünnes mit einem prächtigen “Festgesang” im Sound eines zünftigen Männerchores, sehr homogen im Klang und fein abgestuft im dynamischen Vortrag.

Fein vorgetragen

Das galt auch für das folgende, thematisch kontrastierende Lied “Viele verachten die edele Musik” mit schönen Fugato-Passagen, großartig fein gegeben dann das Dvorak-Lied “Liebeslied im Garten” und passend zurückgenommen das geistliche “Hear my prayer”. Stimmungsvoll und mitreißend das anschließende Bläserensemble Erbach, eine Vereinigung von Hobbymusikern unter Leitung von Karl Kammerlander, das mit Märschen, Polka und einem Medley bekannter Melodien begeisterte. Die Crazy Guys des MGV unter Leitung von Bärbel Stein – die anschließend ihre preisgekrönt geigenspielende Tochter Leonie am Klavier begleitete – forderten mit frischen Knabenstimmen “Mädchen, lach doch mal” und warnten “Achtung ich will tanzen!” Den Reigen der Redner, deren Auftritte locker über das gesamte Programm verteilt waren, begann Schirmherr Bürgermeister Wolfgang Erk (SPD) mit einem kurzen Rückblick auf die Geschichte des Chores, die Ansprache des Festpräsidenten Hubert Diehl befasste sich mit den Geschehnissen des Gründungsjahres 1893 und legte die kommenden Aktivitäten der Jubiläumsfeierlichkeiten dar. Landtagsabgeordneter Helmut Peuser (CDU), Ortsvorsteher Alfred Meyer (SPD) und Vereinsringvorsitzender Peter Wozniak würdigten die Verdienste des Chores.

Dass der katholische Kirchenchor “St. Mauritius” unter Leitung von Jan Schrödter es versteht, neben geistlichen Liedern (Jauchzet dem Herrn, Auf allen Wegen) auch weltliche Weisen gut zu singen, bewies er mit der Darbietung von “Erlaube mir, feins Mädchen” von Johannes Brahms. Unter Leitung von Dr. Georg Hilfrich erwies der Gesangverein “Frohsinn” 1848 Erbach – von dem sich der MGV “Eintracht” einst im Streit abgespalten hatte, wobei es heute keinerlei gegenseitige Animositäten mehr gibt – dem Jubiläumschor die sängerische Ehre mit mitreißenden Darbietungen. Insbesondere riss der Deutschmeister-Regimentsmarsch und vor allem das wunderbar lautmalerisch umgesetzte “What shall we do with the drunken sailor” das Publikum zum Mitklatschen und großem Beifall hin. Die Schola “Combinazione” übernahm, geleitet von Cornelia Dahms, mit ihren vier klangschön umgesetzten vier Liedern den englischen Part, und der MGV “Frohsinn Steinefrenz 1901, dem MGV Eintracht Erbach seit Jahren freundschaftlich verbunden und dirigiert von Karl-Wilhelm Dünnes, bot mit seinen auswendig vorgetragenen Liedern verschiedener Musikepochen die künstlerisch reifste Chordarbietung des Abends. Als Chorgemeinschaft zusammen mit dem Jubiläumschor stimmten die Steinefrenzer Chorsänger zum Abschluss des denkwürdigen Festabends die drei Lieder “Ubi caritas”, “Shenandoah”, ein die Weite der amerikanischen Flusslandschaft dieses Flusses besingendes Lied, und das Gott lobpreisende Stück “I will praise thee, o Lord” als Dank für das Jubiläum an.

Festabend-Marathon

Danach wurde mit weinseligen Weisen an den Getränkeständen zum lockeren Ausklang dieses Festabend-Marathons, der trotz der Länge im künstlerischen Bereich überzeugen konnte, fröhlich weitergesungen.

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